So ging es nicht mehr

Als Toni etwa vor einem Jahr achtjährig bei den Gelsenkirchener Fliegern einzog, traf er gleich auf Oskar; der war erst eine Woche zuvor eingezogen, hatte sich gerade eingewöhnt und versuchte, eine nette Frau für sich zu finden. Toni hat aber sogleich beschlossen, dass Oskar keine nette Frau mehr brauchte, denn jetzt war er ja da. Oskar zierte sich anfangs noch ein wenig, aber es war dann doch mehr als die gemeinsamen Krankheiten, unter denen beide litten.Denn beide hatten ein deutliches Nierenproblem mit dem Hang zur Rupferei, und bei beiden machte sich auch eine Herzschwäche bemerkbar. Beim 12jährigen Oskar allerdings altersbedingt, bei Toni tonibedingt. Diese Kombination führte bei beiden zu Juckreiz, der die Rupferei erklärte, doch auch hier zeigte sich Toni deutlich stärker betroffen. Beide ergänzten sich in der Folge großartig, weil sie sich überall dort gegenseitig kraulen konnten, wo ihre eigenen Schnäbel nicht hinkamen. Toni aber machte auch die schlimmsten Verrenkungen, um bei sich Stellen zu lindern, die besonders heftig juckten und wo Oskar zu sanft vorging. Dabei machte Toni zeitweise wirklich schlimme Geräusche, so qiekte er bei seinen Verrenkungen.So lange aber beide so innig waren, glich ihre Lebensqualität alles aus. Sie teilten sich eine Schaukel, futterten gemeinsam, und es gab kaum Momente, wo einer ohne den anderen war. Erst in den letzten Tagen zog Toni sich häufiger zurück, schlief viel und wirkte recht schwach.Beim Tierarzt zeigte sich dann, dass Toni nun zusätzlich ein Unterflügelekzem entwickelt hatte, das auch noch entzündet war. So ein Ekzem kann schon für ansonsten fitte Vögel eine riesige Belastung sein, ganz langwierig, mit mehrmals täglichem Fangen zum Eincremen und ein bis zwei Besuchen in der Praxis pro Woche. Flügelamputation nicht ausgeschlossen. Dies alles zusätzlich zu seinen sowieso bestehenden Problemen und Behandlungen wollten und konnten wir Toni nicht mehr zumuten. So mussten wir ihn letzte Woche gemeinsam mit Walti und Hanni gehen lassen. Lieber kleiner Toni, wie oft stand ich vor Dir und fragte mich, ob ich Dir noch weiteres Leiden zumuten konnte. Und wie oft dachte ich, morgen nehme ich Dich mit zur Klinik, zu Deiner letzten Reise. Aber dann war immer Oskar bei Dir, Ihr wart so liebevoll miteinander, und alles Leid schien vergessen.Jetzt aber war ein Punkt erreicht, wo auch Oskar nicht mehr reichte. Er hatte es schon gemerkt, vielleicht hattet Ihr Euch auch schon voneinander verabschiedet.Natürlich war jetzt dennoch eine Lücke, Eure gemeinsamen Freunde helfen Oskar über den Verlust.Du aber hast keine Leiden mehr, keinen Juckreiz, keinen manchmal blutig gekratzten Hals und ganz bestimmt Deinen Frieden da oben, wo Du jetzt bist.Mach es gut da, lieber Toni, wir denken an Dich!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s