Es war eine lange Zeit des Vertrauens

Letzte Woche mussten wir uns in Gelsenkirchen von Choco verabschieden. Er zeigte sich Anfang der Woche plötzlich sehr gangunsicher, und in der Tierklinik wurde eine Verletzung an der hinteren Wirbelsäule festgestellt. Er wurde dort behandelt, und zuhause sollte er weiter schmerzstillende und abschwellende Medikamente bekommen. Nach 1-2 Tagen hätte eine deutliche Besserung eintreten müssen. Doch die blieb aus. Da Choco seit einigen Jahren blind ist, flugunfähig sowieso, war es ihm nun nicht mehr zuzumuten, noch bewegungseingeschränkter durch die Voliere zu stolpern. Choco wurde mit etwa 10 Jahren von seinen Leiden erlöst. Er war einer der ersten, wenn nicht sogar der erste Bewohner, der in den frisch gegründeten Hürdenwellies e.V. als Vereinsvogel eingezogen ist. Und für uns war es die erste Bewährungsprobe als Verein und Pflegestelle, denn Choco wurde uns aus einem Tierheim gebracht, das sich selbst durch gute Vogelkunde auszeichnete. Es kam auch in den Folgejahren auf uns zu, wenn ein entsprechender Schützling einen Platz suchte. Und weitere Tierheime…Ursprünglich kam Choco aus einer Viererhaltung, in der er wegen Polyoma der einzige Fußgänger war, und deren Halterin verstorben war. So konnten seine drei Freunde gut vermittelt werden, er blieb aber über. Und dabei war Choco nicht nur optisch ein richtiger Sonnenschein! – Weil seine Mitwellies, vor Allem die weiblichen, ihn farblich offenbar nicht so attraktiv fanden, legte er sich besonders ins Zeug, um Kontakte und Freundschaften zu schließen. Und doch war er oft außen vor, bearbeitete dann seine Frustgurke oder schminkte sich mit dem Mineralstein einen rosa Bart. Aber es nützte alles nichts. Erst als Henne Emmi erblindete und ihr Farben egal wurden, konnte Choco zeigen, was für ein toller Hahn, Fütterer und Beschützer er war. Bis zu Emmis Tod war er sehr aufopferungsvoll für sie da. Und mit dieser Erfahrung und dem Selbstbewusstsein konnte er auch danach noch eine Freundin für sich gewinnen. Vor etwa 2 Jahren fiel auf, dass Choco selbst immer schlechter bzw. gar nicht mehr gucken konnte. Da er seine Voliere in- und auswendig kannte, sämtliche Geräusche und Aktivitäten in seiner Umgebung, und da er vollständig vertraute, war die Blindheit kaum eine Einschränkung für ihn. Und er wartete jeden Morgen, dass ihm der Trinknapf vor den Schnabel gehalten wurde, das gehörte zu seinen Gewissheiten. Er war komplett angstfrei.

Lieber kleiner Choco, Dein Weggang tut mir richtig richtig weh. Über 7 gemeinsame Jahre sind nicht nur für Wellies eine lange Zeit.Ich bin mir nicht ganz sicher, wie Du Dir die Verletzung zugezogen hast – vermutlich ist es passiert, während Du wie immer in den letzten Jahren auf der Jagd nach den besten Körnchen ganz entspannt den Boden absuchtest, dass ein Mitwelli von oben auf Dich draufgefallen ist. Eine andere Erklärung habe ich nicht, denn die Voliere ist nach wie vor sicher. Normalerweise ist dieser Tage hier ein Hinweis auf unseren Welliwunschzettel. Dieser Wunsch für Dich lässt sich aber nicht kaufen, er geht direkt zu Dir nach da oben:Ich wünsche mir so sehr, dass Du am Ende nicht zu lange oder zu schlimm leiden musstest, dass Dein Vertrauen verloren gegangen ist.Mach´es gut da oben, kleiner Sonnenschein!

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