Ein goldiger kleiner Kerl kommt ins Fernsehen

Vor einigen Wochen ist Goldi in die Gelsenkirchener Fußgängergruppe gezogen.Er lebte zuvor eine unbekannte Zeit lang als namenloser Einzelvogel in einem kleinen Käfig, bis eine Dame, die ihn durch die Fenster in der Nachbarschaft sah, sich ein Herz fasste und die Besitzer des Vogels besuchte und nach einigen Gesprächen überzeugte, den Vogel abzugeben.

Die Dame hatte kurz vorher selbst erst ihre größere Welligruppe aufgeben müssen, weil sie gesundheitlich sehr mitgenommen war und nicht sicherstellen konnte, dass es ihren Vögeln weiter gut gehen würde.

Umso bemerkenswerter, dass sie noch den Mut und die Energie fand, sich für den kleinen unbekannten Wellimann einzusetzen.

Vor seinem Umzug musste der Hahn, den sie Goldi nannte, zur Eingangsuntersuchung, wo neben seiner Gefiederstörung Megas festgestellt wurden. Anfangs war er handzahm, nach den Wochen der Medigabe kommt er nun nicht mehr ganz so bereitwillig auf den Finger. Das kann man ihm auch nicht verdenken.

Goldis Alter ist unbekannt. Sein bester Freund war über lange Zeit ein Gitterbällchensatz mit Glocke, die schon angerostet war. Das Spielzeug konnte aber nicht ersetzt werden, weil Goldi nur diese eine Farbkombination annahm.

Das sollte sich in der Folge aber nicht als Problem herausstellen, denn es dauerte keine zwei Tage, bis ein weiterer Zugang, Sam, sich seiner annahm und dafür seine langjährige Partnerin sitzen ließ.

Goldi lernte wieder die Vorzüge echter Wellifreunde kennen und braucht seine Gitterbällchen nun nicht mehr.

Dies ist eine von vielen schönen Geschichten, die wir am kommenden Dienstag im Sat1-Frühstücksfernesehen zeigen und erzählen dürfen.

Also: Einschalten! Dienstag, 1.März ab 05.30 Uhr bei Sat1!

Der Beitrag wird im Laufe des Morgens vermutlich mehrmals ausgestrahlt, je nach tagesaktueller Nachrichtenlage, die ja sehr schlimm zurzeit ist. Genauere Uhrzeiten können wir so deshalb leider nicht nennen. Dass es an diesem Morgen bei allen Sorgen und Ängsten einige bunte, fröhliche Momente geben wird, das können wir aber versprechen!

Ach ja – herzlich Willkommen in Gelsenkirchen, kleiner Goldi!

Es war eine ganz ganz schwere Entscheidung

(Und so wird es ein längerer Text.)

Vor Kurzem mussten wir Federbonnie, die blinde, 11jährige Dame, gehen lassen. Das ist in dem Alter nicht ungewöhnlich, aber die Begleitumstände haben uns in Gelsenkirchen unsere Grenzen aufgezeigt. Schmerzhaft für uns, aber noch viel schmerzhafter für Bonnie.

Aber von Anfang an: Als Bonnie vor einem Jahr einzog, bekam sie den Zusatz Feder-Bonnie, weil es schon eine schlecht befiederte Bonnie unter den Fußgängern gab, während Federbonnie gut ausgestattet war. Sie konnte etwas fliegen, aber sie war blind.

In der Folgezeit erkletterte sie stundenlang die Fußgängervoliere, immer hin und her, auch kopfüber am Dach, als wolle sie jeden einzelnen Quadratzentimeter einscannen.

Als sie damit durch war, entdeckte sie den Futternapf auf dem Spieltisch für sich, der fortan ihre Basis für kürzere Ausflüge, ihr Bett und ihr Thron sein sollte. Gelegentlich kam ein Hahn zu Besuch und fütterte sie, ansonsten ließ sie keinen anderen Vogel an sich und ihr begrenztes Revier.

Viele Wochen lang nutzte sie ihr Körnerbett, um den ganzen Tag lang passiv drin zu liegen und zu schlafen. Wir machten uns Sorgen, aber eine tierärztliche Untersuchung brachte keine auffälligen Ergebnisse.

Erst als viele andere Hennen um sie herum zum Jahreswechsel immer brutiger wurden, und dadurch animiert auch die Hähne immer lebhafter und aufgeregter, begann auch Bonnie immer aktiver zu werden. Sie war sehr fleißig, und es war schön anzusehen nach der langen Zeit ihres Ruhens zuvor.

Allerdings bewegte sich Bonnie so sicher und selbstverständlich, dass es schien, als hätte sie ihre Blindheit vergessen. So ließ sie sich sich Anfang Januar auf einen Kampf unter Hennen ein, den sie mit schlimm aussehenden Verletzungen im Gesicht bezahlte. Der Tierarzt konnte Entwarnung geben, Bonnie kam erst mal in einen kleinen Käfig auf dem Spieltisch, um sich auszukurieren, doch das war auf Dauer kein Zustand, denn für die Jungs war sie nun uninteressant, während die Hennen ihr beim Klettern an die Füße wollten.

Also alles raus, was zum Brüten und Drumkämpfen anregen könnte, und dann klappte es auch wieder mit Bonnie in „Freiheit“.

Zwei Wochen später, alles schien gut. Doch irgendwoher tauchte ein kleines Korkstück auf, nicht mal handtellergroß, und vermutlich über lange Zeit einfach so unbeachtet, dass es beim Ausräumen durchrutschte. Eines Nachmittags hat sich Bonnie mit einer Henne, diesmal einer anderen als zwei Wochen zuvor, so heftig darum geprügelt und war dabei so dermaßen unterlegen, dass man vor lauter Blut, getränkten Federn und den Verletzungen erst gar nicht sehen konnte, wie stark es sie erwischt hatte.

Die Tierarztprxis hatte schon zu, also wieder Krankenkäfig und Schmerzmittel.

Bonnie hatte sich über Nacht etwas im Trinknapf gewaschen und geputzt, am nächsten Morgen noch vor dem Besuch der Tierklinik wurde so das ganze Ausmaß ihrer Verletzungen deutlich – ein blindes Auge, die halbe Wachshaut und ein Bereich am Unterschnabel waren schlimm zerbissen, ebenso fehlte ein halber Fuß.

Die Tierärzte hätten sie wohl wieder zusammenflicken können. Aber wie wäre es danach weitergegangen?

-Bonnie für den Rest ihres Lebens konsequent separat setzen war keine Option.

-Ihr einen Hahn dazusetzen ebenso nicht, diese dauerhafte Einschränkung wäre für keinen Vogel hier artgerecht.

-Einen langfristigen Wüstenmodus bei den Fußgängern einführen, auch das hätte schlechte Folgen für alle Individuen in der Gruppe.

-Aus dem gleichen Grund sollten Bonnie und alle Hennen nicht künstlich hormonell behandelt, „runterreguliert“ werden.

-Bonnie in eine andere, ruhigere Gruppe oder Pflegestelle zu geben war nicht möglich, weil sie die komplette Keimkultur der Gelsenkirchener mitgenommen hätte; und so auch Erkrankungen, die längst nicht so stark verbreitet sind wie etwa Polyoma oder PBFD.

So blieb uns ohne tragfähige Perspektive für Bonnie nur, sie nicht mehr durch die lange und anstrengende Heilung zu bringen, sondern sie an diesem Morgen schon gehen zu lassen.

Es war nicht klar, wie es mit Bonnie hätte weitergehen können. Uns ist sehr schmerzlich bewusst geworden, dass wir sie nicht ausreichend schützen konnten, zumal ein Teil der Aggressionen ja von ihr selbst ausging.

Wir hatten schon mehrere blinde Vögel bei uns, sie kamen alle gut zurecht. In irgendeiner Form hatten sie realisiert, dass sie eingeschränkt sind, nichts sehen können und bestimmte konflikthafte Aktivitäten, Orte, Situationen meiden sollten

Bonnie hat das ja auch weitestgehend so gemacht, indem sie nicht mehr flog und sich ihren Weg erst mit dem Schnabel ertastete.

Aber bei den Prügeleien fehlte ihr dieser Selbstschutz, sie fühlte sich den sehenden Hennen ebenbürtig. Und so konnten wir sie nicht vor sich selbst schützen. 🙁

Liebe kleine Bonnie, es tut mir so leid, wie es gekommen ist. Du hattest immer meine ganz besondere Aufmerksamkeit, hast Dich durchgekämpft und wolltest auch weiter kämpfen. Dieses Mal bist Du auf Stärkere getroffen. Vielleicht war es charakteristisch für Dich, dass Du nicht in Stille und Frieden einfach eingeschlafen bist, sondern im Kampf unterlegen. Und dabei warst Du auch vorher schon meine tapfere Heldin!

Mach es gut da oben, wo Du nun bist, sieh Dir mit gesunden Augen alles an. Vielleicht würdest Du unsere Entscheidung nie verstehen, selbst wenn Du könntest. Aber vielleicht kannst Du sie verzeihen. Denn sie geschah aus Liebe und Sorge.

Du bleibst im Herzen, kleine Federbonnie!

Auf diesen Spaß hat Bounty lange gewartet

Bei den Gelsenkirchener Fliegern ist eine hübsche graue Wellidame eingezogen.

Zuvor hat die 1,5jährige Henne einige Monate in Quarantäne sitzen müssen, bis eindeutig war, dass sie PBFD hat und nicht wie geplant in eine kleine Gruppe ziehen konnte.

So hat Bounty ihr Köfferchen, das nie ganz ausgepackt war, genommen und ist vom Saarland ins Ruhrgebiet gereist.

Hier angekommen war sie sofort von den neuen Möglichkeiten, und natürlich vor Allem von der Gesellschaft begeistert. Es gibt keinen Ort, den sie noch nicht voller Freude erschreddert hat, und auch im hingehaltenen Wassernapf ausgiebig Baden findet sie toll..

Einen Hahn hätte sie auch gerne ganz für sich, aber im Moment scheitert es schon daran, dass die Jungs hier ordentlich Respekt vor der großen grauen Standarddame haben. Da kann sie noch so sehr auf Küken machen, fiepsen und mit dem Schnabel mümmeln – sobald sie sich vor einem Fütterer aufgebaut hat und der ziemlich weit nach oben gucken muss, ist es vorbei. Satt wird sie aber auch so.

Durch ihr dichtes Kopfgefieder und die stark seitlich gestellten Augen kann sie auch nicht richtig räumlich gucken, was sie beim Fliegen etwas unsicher macht. Inzwischen kennt sie ihr Zuhause aber ziemlich gut und kann die Entfernungen besser einschätzen.

Herzlich Willkommen in Gelsenkirchen, kleine große Bounty, auf eine schöne gemeinsame Zeit, vielleicht auch mal mit Hahn!

Frau Bommel vom Bauernhof

Im Januar erreichte uns eine Anfrage nach einem Platz für eine Fußgängerin, die in ihrer Auffangvoliere auf einem Bauernhof unter ihren Mitwellies nicht mehr zurechtkam, weil sie von ihnen gemobbt wurde.

In der Auffangvoliere landete sie überhaupt nur, weil sie zuvor mit ihrer Freundin als Fundvögel abgegeben wurden. Die Wellifreundin verstarb bald, für Frau Bommel sollte es in die geschützte Haltung der Gelsenkirchener Fußgänger gehen.

Zuvor musste sie aber in die Quarantäne, da sie einige Mitbewohner dabei hatte. Damit sie die vielen Tage nicht so allein dasaß, bekam sie den schmucken Sky zur Seite, der neben seinen vielen Freunden gerne auch eine richtige Freundin gehabt hätte. Nun konnte er seinen Charme voll entfalten, und es wirkte auch.

Nach anfänglicher Schüchternheit ist sie aufgetaut, als sie wieder einen Schwarm um sich hatte, und jetzt findet sie dort alle Hennensachen gut.

Hab eine noch lange, schöne Zeit hier, Frau Bommel!

Du warst so ein toller Hahn

Anfang des Jahres mussten wir Chico gehen lassen. Er war 2017 gemeinsam mit seiner Partnerin Schatzi in Gelsenkirchen eingezogen, weil es bei beiden hieß, sie seien an Mykoplasmose erkrankt. Bis auf einen „schlechten“ Tag bei Chico ohne auffindbare konkrete Symptome waren er und seine Partnerin jedoch nie krank. Schatzi ist im vergangenen Jahr vermutlich altersbedingt an organischen Problemen verstorben. Das genaue Alter der zwei haben wir nie erfahren.

Chico zeigte sich nicht nur topfit, sondern auch bei den Hennen und auch bei manchem Hahn sehr begehrt. Das machte ihn noch selbstbewusster, als er sowieso schon war, und er konnte längst nicht allen Avancen widerstehen, was ihm bei seinen Paten die Bezeichnung „Schluri“ einhandelte.

Zwei bis drei Partnerinnen waren für ihn völlig normal.

Nach Schatzis Tod war er dann doch eine Zeit lang stiller als sonst, und danach konzentrierte er sich auf nur noch eine Partnerin, zuletzt Grisu. Die hat sich gefreut und alles deutete auf eine Familiengründung hin, bis Chico sie von einem Tag auf den anderen links liegen ließ und deutliches Unwohlsein zeigte.

Weder der Tierarzt noch der Pflegestellenbetreuer glaubten an einen akuten Mykoplasmoseschub, deshalb wurde genauer geschaut; im Röntgenbild fand sich dann ein großer Nierentumor, dem Chico nicht mehr standhalten konnte.

So wurde er an Ort und Stelle erlöst.

Lieber Chico, Du fehlst hier so sehr. Du warst ein Mittelpunkt hier in unserer Fliegergruppe, immer fröhlich, bei Allen beliebt, neugierig und für jedes Abenteuer zu haben. Keiner kannte die Abläufe hier so wie Du. Pünktlich hast Du jeden Tag an der gleichen Stelle auf Dein Knaulgras gewartet, egal, mit wem Du Minuten vorher noch geflirtet hast.

Deine letzte Freundin Grisu weiß nach Deinem Weggang nicht mehr, was sie mit ihrer Brutlust anfangen soll, und niemand zeigt den Anderen abends den Weg zu den Schlafplätzen.

Du aber bist jetzt wieder bei Deiner Schatzi. Ich hoffe sehr, dass Du Dein Leiden nicht lange verbergen musstest und wir den ersten und richtigen Zeitpunkt gefunden haben.

Mach es gut da oben, kleiner Grünling, hier bleibst Du in der Einnerung.