Die Zeit war zu kurz

Es ist immer ganz schwierig, wenn wir einen Schützling hier vorstellen und auch gleich verabschieden müssen. So wie jetzt den Flori aus Gelsenkirchen.

Eine Tierarztpraxis rief an, weil eine Halterin ihren Welli gehen lassen wollte, man in der Praxis aber noch eine Chance für ihn sah. So holten wir Flori am nächsten Tag direkt aus seinem alten Zuhause ab. Er hatte es schön dort, aber er war die letzte sehr lange Zeit auch nur noch allein. Etwa einmal am Tag sei er von der Stange gefallen, erzählte die Vorbesitzerin.
In der Vogelklinik stellte man Arthrosen fest, aber damit sollte er noch gut leben können, wennauch er so nicht mehr flog.

In der Fußgängervoliere zeigte sich Flori sehr schüchtern. Er nahm die Nähe der Anderen an, suchte sie aber nicht. Und er hielt sich vermehrt auf dem Volierenboden auf, zusammen mit Cody und Rosali, die ja dauerhaft unten leben. Später zeigte sich, dass er überhaupt nicht mehr klettern wollte oder konnte.

So ging es etwa 4 Wochen lang, als Flori plötzlich deutlich Schmerzen zeigte. Der Tierarzt stellte einen akuten Gichtschub fest, mit Blasenbildung an den Füßen, und so konnte er Flori nun wirklich nur noch von seinem Leiden erlösen.

Lieber kleiner Flori, Deine Zeit hier war zu kurz. Sie war aber für eines gut, und dafür reichte sie auch – dass Du in Deinen letzten Wochen noch mal die Vertrautheit des Schwarms erleben, mit dem Geplapper Deiner Artgenossen einschlafen und Dich sicher fühlen konntest.
Mach es gut da oben, kleiner Flori!

Serienhelden in Gelsenkirchen – Sansa

Als im Frühjahr eine hier bekannte und sehr liebevolle Fußgängerhaltung aufgegeben wurde, haben wir die verbliebenen vier Bewohner übernommen. Zwei sind in Hannover eingezogen und wurden bereits vorgestellt, in Gelsenkirchen sind Sansa und Ser Loras gelandet. Ser Loras lässt seiner Dame den Vortritt bei der Vorstellung.

Sansa ist mindestens 9 Jahre alt und virenbedingt schlecht befiedert. Sie wurde als ganz lieber kleiner Schatz angekündigt, und das ist sie auch.
Einige Zeit nach dem Einzug zeigte sie ein nässendes Auge, dessen Linse auch eingetrübt war. Es wurde behandelt, ihre Sehkraft auf dem Auge konnte aber nicht gerettet werden. Und leider ist die Eintrübung auch auf dem anderen Auge schon fortgeschritten, Umrisse kann sie aber wohl noch sehen.

Und wo man nichts sieht, sieht man auch keine Gefahren. Also sind sie nach Sansa-Logik auch nicht da. ^_^
So begann sie zu legen und zu brüten, mitten auf dem Spieltisch, ihren Mann immer um sich herum, und sie hat es die ganze Zeit auch durchgehalten.

Jetzt erst nimmt sie sich die Zeit, auch den ganzen Rest der Fußgängerumgebung zu erkunden, tastend und schreddernd mit dem Schnabel. Dabei bewegt sie sich sehr sicher, es ist gut möglich, dass ihre Sehschwäche auch schon länger bestand und in vertrauter Umgebung einfach nicht aufgefallen ist. Das ist jetzt aber auch egal, denn sie kommt ja gut zurecht.

Herzlich Willkommen und auf eine hoffentlich noch lange gute Zeit, kleine Sansa!

Du hattest einfach keine Chance

Schon im Frühjahr ist Bebe gegangen. Er war eines der sechs Küken aus der Kiste, vermutlich das Jüngste, und er war Spätentwickler. So dauerte es noch einige Wochen nach seiner Ankunft, bis wir klar sagen konnten, dass er ein Hahn ist.

Er ist dann in Windeseile in richtig toller, stolzer Hahn geworden, mit allen Federn, die man braucht, und sie machten ihn zu einem der schnellsten und wendigsten Flieger hier. Klar, dass er dann auch zu den Fliegern umziehen durfte.
Dort beeindruckte er Matilda und verliebte sich auch in sie, die wuchtige und gemütliche Henne. Ihre Flugkünste waren gar nicht so gut, und als sie von einer anderen Henne immer wieder gejagt wurde, sind sie und Bebe wieder zu den Fußgängern rüber, wo sie ja auch ihre Runden drehen können.
So hättes es noch ewig weitergehen können, aber eines Tages im Frühjahr lag Bebe einfach tot auf dem Fußboden.

Lieber kleiner Bebe, wir wissen nicht genau, woran Du nun verstorben bist. Ihr Küken in der Kiste hattet alle PBFD, Deinen Bruder Elo hier, der am schlimmsten betroffen aussah, hatte es zuerst aus dem Leben gerissen. Bei Dir war alles verzögert, Deine Organe haben vermutlich sehr hart gearbeitet, um Dich mit allen Federn zu versorgen. Zu hart vielleicht, und dann war es zu viel.

Dein Leben war viel zu kurz, aber Du hast alles rausgeholt was ging, und Du hattest viel Freude dabei. Mit diesem Eindruck sitzt Du nun da oben bei Elo und guckst auf Deine Freunde runter, die kurzzeitig Deine Familie, Dein Schwarm waren.

Mach es gut da, kleiner Bebe!

Schneeweiß

In Gelsenkirchen ist eine hübsche und wohl noch recht junge Henne eingezogen, die aufgrund einer alten Flügelverletzung in dem Fliegerschwarm, in dem sie zuerst landete, nicht zurecht kam.
Pauline trägt ihr hübsches weißes Kleid wie zur Hochzeit, aber hier musste sie erst noch warten, bis einige Mitbewohner, die das Kleid auch hübsch fanden, das Feld geräumt hatten.

In den ersten Augenblicken in der Fußgängervoliere saß sie dann mit durchgedrücktem Rücken und konnte das Angebot an den vielen Jungs gar nicht fassen. Die wollten aber nicht heiraten, so dauerte es dann doch einige Zeit, bis sie verstanden hatten, dass Pauline ihr Kleid auch zu anderen Anlässen trägt.
Zuerst Merkin, der sie als Zweitfrau angenommen hätte, dann aber Alf, der sich ausschließlich ihr widmen wollte, machen Pauline sehr glücklich.

Bisher nimmt sie die Kokosschaukel, weil da immer Knaulgras drin ist. Hoffen wir, dass ihr das alles zu wackelig ist, um dort auch Eier reinzulegen. Obwohl ihr reines Schneeweiß und Alfs Laubfroschgrün sicher eine interessante Farbkonstellation ergeben würden. Aber man kann sich ja auch so lieb haben.

Herzlich Willkommen in Gelsenkirchen, hübsche Pauline, auf eine lange und glückliche Zeit mit Deinem Alf!

Du bist zu den anderen Göttern zurückgekehrt

Schon im Frühjahr mussten wir in Gelsenkirchen Poseidon gehen lassen, den sanften Riesen. Er hatte an der Flanke einen großen, inoperablen Hauttumor, der über die Monate immer größer wurde. Erst störte er nicht, aber als Poseidon begann daran herumzubeißen war klar, dass er ihm Probleme bereitete.

Poseidon ist aus einer Tierschutzhaltung, die schon vor geraumer Zeit aufgegeben wurde. Sein Alter war damals nicht bekannt, hier konnten wir noch 2,5 Jahre draufschlagen.
An sich war er recht gutmütig, aber er wusste seine erstaunliche Größe auch gut einzusetzen, wenn er irgendwo hin wollte oder allein vor sich hindösen.

Natürlich war er eine Qualzucht, denn er war viel zu schwer zum Fliegen, sein Gefieder am Kopf nahm ihm die optimale Sicht, und organisch sah es sicher auch nicht gut aus. Zumindest seine Leber rebellierte in der Zeit und versetzte ihn häufiger in einen Krampf, wenn er mal gefangen werden musste.
Dass nun ausgerechnet ein Hautproblem diesem stattlichen Kerl das Leben so schwer machte, damit war vor einigen Monaten absolut noch nicht zu rechnen.

Lieber kleiner, großer Poseidon, Du bist nun schon längst wieder in der Götterrunde unter Deinesgleichen und schaust auf uns herab bzw. aus den Tiefen der Meere zu uns hinüber. Ich hoffe so sehr, dass Du die Zeit hier unter uns gut erlebt und Dich immer wohlgefühlt hast, bis zum Schluss.
Und ich hoffe, wir haben den richtigen Zeitpunkt für Dich gefunden zu gehen. Mach es gut da, wo Du jetzt bist!