Trauer. Und auch Wut.

Vor Kurzem erst haben wir in Gelsenkirchen den kleinen Tom begrüßt, der mit seinen neun Monaten schon seine halbjährige Partnerin (oder Schwester?) und anschließend sein Augenlicht verloren hat.
Am Samstag mussten wir nun auch Tom gehen lassen, nachdem er torkelte, krampfte und komplett ohne Orientierung durch seine nun eigentlich schon vertraute Voliere taumelte.
Die Tierärztin stellte diverse Gichtknötchen an den Beinen fest sowie eine durch den Ausfall der Nieren bedingte Schädigung nun auch der Leber. Es sei möglich, dass er durch die organische Selbstvergiftung blind geworden sei.
Beim Setzen der Spritze stellte sie dann noch einen Widerstand fest, wo keiner sein sollte – offenbar hatten sich die Gichtkristalle auch schon wie ein Kranz um sein Herz gelegt.

Toms Verlust ist so traurig, schien es anfangs doch, als sollte er nun endlich etwas Glück in sein noch kurzes Wellileben bekommen.
Er macht aber auch wütend. 9 Monate alt, seine Schwester oder Partnerin erst 6, und beiden war es nicht vergönnt, ein glückliches, gesundes langes Wellileben zu führen.
Was haben wir Menschen nur veranstaltet, um diesen kleinen Geschöpfen keine gesunden Anlagen mitzugeben? Hübsche Farbschlagzuchten ohne Rücksicht auf Verluste? Profitstreben ohne Gewissen und Respekt vor dem Leben?
Die Tierärztin meinte, manche Vögel würden in der Aufzuchtphase schon mit sehr viel Eiweißen vollgepumpt, um schnell groß und stark (und verkaufsfähig) zu sein. Mit der Folge erheblicher Organschädigungen. Auch dieser Verlauf wäre bei Tom denkbar.

Wir wollen nun aber keine Diskussion anzetteln, einfach nur ein bisschen innehalten und zum Nachdenken anregen.
Denn Tom hat einen friedlichen und liebevollen Abschied verdient, wenigstens das soll er mitnehmen aus seiner traurigen, dunklen Welt.

Lieber kleiner Tom… es tut mir einfach so unendlich leid! Ich kann nicht um Entschuldigung für das bitten, was man Dir angetan hat, denn eine Entschuldigung ist nur dann echt, wenn es danach nicht mehr passiert. Das aber kann ich nicht versprechen.
Ich hoffe, ich habe Dein schweres Leiden noch frühzeitig genug erkannt, um Dir längere Qualen erspart zu haben. Und ich hoffe, dass Du aus diesen paar Tagen hier etwas Liebe und Geborgenheit mitnehmen konntest. Von Urmel, der Dich für Dich unsichtbar immer begleitete, von all den anderen Wellies, die Dir das Gefühl gaben, im Schwarm gut aufgehoben zu sein, von mir und allen, die Dein Schicksal wahrnahmen.
Mach es gut und hab es nun besser da oben, kleiner Mann!

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